Versicherungen in der Schweiz: Was brauchst du wirklich?
In der Schweiz gibt es zahlreiche Versicherungen. Doch welche sind wirklich notwendig? Hier findest du eine Übersicht über Pflicht- und empfehlenswerte Versicherungen.

Versicherungen in der Schweiz: Was brauchst du wirklich?
Ende September kamen die neuen Prämien: Die mittlere Krankenkassenprämie steigt 2027 um 5 Prozent auf CHF 412 pro Monat. Für viele ist das der Moment, in dem sie den Versicherungsordner wieder einmal aufmachen. Und dann stellt sich die Frage, die jedes Jahr gleich klingt: Was davon brauchen wir eigentlich, und was zahlen wir einfach weiter, weil es schon immer so war?
Hier eine Übersicht, geordnet nach Pflicht, Vernunft und Lebenslage. Ohne Produktnamen, dafür mit den Fragen, die du dir beim Durchblättern stellen kannst.
Pflicht: Diese Versicherungen schreibt das Gesetz vor
Krankenkasse (Grundversicherung). Wer in der Schweiz wohnt, muss sie haben. Die Leistungen sind bei allen Kassen gleich, der Preis nicht. Du entscheidest über die Franchise (zwischen CHF 300 und CHF 2'500) und das Modell (Hausarzt, HMO, Telmed oder freie Arztwahl). Faustregel aus den Vergleichsportalen: Wer im Jahr weniger als rund CHF 1'800 bis 1'900 Behandlungskosten hat, fährt mit der höchsten Franchise günstiger. Kündigen kannst du jedes Jahr bis zum 30. November auf Ende Jahr. Der Bundesrat will die Mindestfranchise auf CHF 400 anheben; das ist noch in der Vernehmlassung und gilt für 2027 nicht.
Unfallversicherung. Wer mindestens acht Stunden pro Woche angestellt ist, ist über den Arbeitgeber nach UVG versichert, auch in der Freizeit. Alle anderen (Studierende, Selbstständige, Hausfrauen und Hausmänner, Pensionierte) müssen den Unfall bei der Krankenkasse einschliessen. Umgekehrt gilt: Wer angestellt ist und bei der Kasse noch Unfall mitzahlt, zahlt doppelt. Ein Blick auf die Police lohnt sich.
AHV, IV und Pensionskasse. Das sind Versicherungen, auch wenn wir sie selten so nennen. Sie laufen über den Lohnabzug automatisch. Selbstständige zahlen AHV selbst und haben in der zweiten Säule eine Lücke, sofern sie sich nicht freiwillig anschliessen.
Motorfahrzeughaftpflicht. Ohne sie gibt es kein Nummernschild. Sie deckt die Schäden, die du mit dem Fahrzeug anderen zufügst, nicht aber dein eigenes Auto.
Gebäudeversicherung. Für Eigentümerinnen und Eigentümer in fast allen Kantonen Pflicht, meist über die kantonale Gebäudeversicherung. Ausnahmen sind Genf, Wallis, Tessin und Appenzell Innerrhoden, dort läuft sie über private Anbieter.
Fast Pflicht: Freiwillig, aber ohne sie wird es teuer
Privathaftpflicht. Gesetzlich nicht vorgeschrieben, in der Praxis aber kaum verzichtbar. Sie zahlt, wenn du den Laptop der Nachbarin fallen lässt, dein Kind ein fremdes Velo beschädigt oder du beim Umzug einen Wasserschaden verursachst. Die meisten Vermieter verlangen sie, und für Hundehalter ist sie in den meisten Kantonen Pflicht, oft mit vorgeschriebener Deckungssumme. Üblich sind heute 5 bis 10 Millionen Franken Deckung, der Unterschied in der Prämie ist klein. Prüfen: Ist der Hund in der Police eingetragen? Sind Mietschäden (zum Beispiel Kratzer im Parkett) gedeckt?
Hausrat. Pflicht nur in Nidwalden, Waadt, Freiburg und Jura, und auch dort nur für Feuer- und Elementarschäden. Überall sonst freiwillig. Sinnvoll ist sie, sobald die Wohnung mehr enthält als ein Bett und ein Sofa. Die häufigste Lücke: Die Versicherungssumme stammt aus dem ersten WG-Zimmer und wurde seit dem Einzug in die Familienwohnung nie angepasst. Bei Unterversicherung kürzt die Versicherung im Schadenfall anteilig.
Je nach Lebenslage: Hier lohnt sich das Nachdenken
Krankentaggeld. Angestellte haben es meist über den Arbeitgeber. Selbstständige nicht. Wer krank wird und zwei Monate nicht arbeiten kann, merkt den Unterschied sofort.
Erwerbsunfähigkeit bei Krankheit. Die grösste Lücke in vielen Dossiers. Bei Unfall sind Angestellte über das UVG gut abgesichert, bei Krankheit greifen IV und Pensionskasse, und das reicht oft nur für einen Teil des bisherigen Einkommens. Betroffen sind vor allem Selbstständige, Teilzeitarbeitende mit tiefem versichertem Lohn und junge Familien mit einem Haupteinkommen. Den Pensionskassenausweis anschauen: Dort steht, was im Invaliditätsfall ausbezahlt würde.
Todesfallrisiko. Relevant, sobald jemand von deinem Einkommen abhängt, besonders mit Hypothek oder im Konkubinat, wo die gesetzliche Absicherung des Partners fehlt. Eine reine Risikoversicherung ist günstig; gemischte Lebensversicherungen mit Sparteil sind es nicht.
Zusatzversicherungen Krankenkasse. Spital halbprivat oder privat, Zahnversicherung für Kinder, Deckung im Ausland, Brille, Alternativmedizin. Hier liegt der grösste Spielraum. Frag dich bei jedem Baustein: Habe ich das in den letzten drei Jahren genutzt? Wenn nein, ist die Antwort meistens klar. Achtung: Zusatzversicherungen kann die Kasse ablehnen, deshalb erst die neue Zusage abwarten und dann kündigen.
Vollkasko und Teilkasko. Vollkasko bei einem neuen oder geleasten Auto, Teilkasko (Diebstahl, Glas, Hagel, Marder) bei einem Auto, das noch etwas wert ist. Bei einem zwölfjährigen Wagen mit Restwert von CHF 3'000 trägt die Vollkasko oft mehr zur Prämie bei als zum Schutz.
Rechtsschutz. Sinnvoll, wenn du Auto fährst, Mieterin bist oder angestellt arbeitest. Streitigkeiten mit Vermieter, Arbeitgeber oder nach einem Verkehrsunfall sind die typischen Fälle. Vorher prüfen, ob du über einen Verband (Mieterverband, TCS, Gewerkschaft) nicht schon gedeckt bist.
Reiseversicherung. Annullation und Assistance sind oft über Kreditkarte oder Verband bereits vorhanden. Heilungskosten im Ausland sind in der Grundversicherung begrenzt (maximal das Doppelte des Schweizer Tarifs), für Reisen in die USA oder nach Kanada ist eine Zusatzdeckung angebracht.
Was die meisten nicht brauchen
Handyversicherungen, Garantieverlängerungen beim Elektronikkauf, Versicherungen für Velos, die auch im Hausrat gedeckt wären, Reiseversicherungen, die sich mit der Kreditkarte doppeln. Es sind kleine Beträge, aber sie summieren sich. Und sie füllen den Ordner mit Policen, die niemand mehr überblickt.
Einmal im Jahr: Die Durchsicht
Die neuen Prämien im Oktober sind ein guter Anlass. Was dabei auf den Tisch gehört:
- Alle Policen mit Prämie, Deckungssumme und Ablaufdatum
- Doppeldeckungen (Unfall, Reise, Rechtsschutz, Velo)
- Hausratsumme: Stimmt sie noch mit dem Inhalt der Wohnung überein?
- Haftpflicht: Hund eingetragen, Deckungssumme mindestens 5 Millionen?
- Zusatzversicherungen: Genutzt oder nur bezahlt?
- Pensionskassenausweis: Was gibt es bei Invalidität und Tod?
- Kündigungsfristen: Grundversicherung 30. November, Zusatzversicherungen meist 30. September, Sachversicherungen oft drei Monate vor Vertragsablauf
Das Problem ist selten die einzelne Entscheidung. Es ist der Überblick. Policen liegen im Mail, im Ordner und im Kundenportal des Versicherers, und niemand weiss aus dem Kopf, wann welcher Vertrag ausläuft. In ELVIDA lädst du die Policen hoch, die App erkennt Versicherer, Prämie und Laufzeit und erinnert dich vor dem Kündigungstermin. Du siehst alle Versicherungen auf einer Seite und kannst nachfragen, was eigentlich gedeckt ist. Die Entscheidung bleibt bei dir, aber du triffst sie mit dem ganzen Bild vor Augen.
Dieser Beitrag ist eine allgemeine Übersicht und ersetzt keine persönliche Beratung. Deckungen und Pflichten unterscheiden sich je nach Kanton und Lebenssituation.
Quellen: BAG, Medienmitteilung Krankenkassenprämien 2027 vom 29.09.2026; moneyland.ch, Analyse Prämien 2027; Comparis, Privathaftpflicht und Hausrat obligatorisch; PostFinance, Welche Versicherungen braucht man in der Schweiz; Vernehmlassung KVG-Änderung Anpassung der Franchise (2026).